Das UZ-Pressefest 2014: Ein Kommentar von Dietmar Dath

Antworten, die wir schon haben

Das Schönste am Fest war, dass man plötzlich einen vergessenen Sinn des Wortes „Demonstration“ wiederfinden konnte: Demonstrationen müssen nicht Bittstellerei sein, die irgendeine Macht mit dem Wunsch nach Änderungen anruft. Sie können auch den abstrakten Gedanken, dass es noch etwas Anderes gibt als die Politik der Mächtigen, gegenständlich verwirklichen.
Seit Anfang der Neunziger besuche ich politische Veranstaltungen mit Kulturanspruch. Damals suchten viele im vormaligen Westdeutschland, die in den achtziger Jahren Politik eher als linke Lebensstilprägung denn als mühsame Praxis gepflegt hatten, konkretere Formen als die bloße Attitüde – vom Flugblatt bis zur Kundgebung. Auf diesen Treffen stets ständig irgendwer: „Man müsste mal …“. Das waren Träume, Konzepte. Auf dem UZ-Pressefest dagegen haben Leute nicht erzählt, was man irgendwie mal machen müsste, sondern vor allem, was sie schon geübt haben – Leute aus Griechenland oder England, aus der Betriebsarbeit und von der Uni, junge Leute, ältere Leute. Wenn die dann von Vorhaben sprachen, waren das keine Visionen, sondern durch schon Geleistetes beglaubigte Pläne. Dass Sozialistinnen und Sozialisten aus eigener Kraft eine so große und so stabile Tribüne wie dieses Fest bauen können, die von Meinungsverschiedenheiten nicht zerbricht, eine Tribüne, auf der mehrere Tage lang kein einziges antikommunistisches Wort fällt, ist großartig. Denn wo auf der Linken wird in Deutschland heute länger als eine Stunde geredet, ohne dass als Ausweis der eigenen Harmlosigkeit gleich wieder beteuert wird, man wolle selbstverständlich nicht sagen, dass an den Versuchen wirklicher sozialistischer Politik, die es gegeben hat, auch nur ein gutes Haar gelassen werden dürfe? Hier schließt auch mein einziger Kritikpunkt an: Drollige Schildchen bei Antiquariatsverkäufen der Klassiker wie „Es gibt sie noch, die guten Bücher“ sind zwar nett. Aber insgesamt darf man ruhig mit mehr Selbstbewusstsein darauf bestehen, dass man als Sozialistin und Sozialist nicht „noch“ Antworten auf die Sauereien unserer Tage weiß, sondern sie SCHON hat, während der Rest der Linken versucht, eine Alternative zum Bestehenden zu erfinden, über die sich Staat und Oligopole endlich mal weniger ärgern als über die DDR und die UdSSR.
Wenn ich mich nicht irre, zieht das Wissen über das damals Unternommene, seine Stärken und Schwächen, gerade die jüngsten Festgäste an. Die Zukunft gehört ihnen wie denen, die sich nicht haben entmutigen und verwirren lassen.

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UZ-Pressefest-Bilanz: weitere Beiträge…

„Ein linkes, ein internationales Fest für alle Generationen – und nicht einfach nur das größte seiner Art im deutschsprachigen Raum: Es ist auch das politisch wichtigste.“

Zeit der Kirschen von Dietmar Koschmieder (jW)

»Das waren wir! Wir mit unseren 3000 Mitgliedern, mit unserer Kraft haben wir geschafft, was in diesem Land keine andere Partei schafft.« (Patrick Köbele)

»Jünger und marxistischer« von Andreé Scheer (jW)

„Dieses Fest war, ist und bleibt das größte Fest der Linken in der Bundesrepublik Deutschland.“

Eine erste Einschätzung von Werner Sarbok (Redaktion UZ)

Das war unser 18. UZ-Pressefest Bericht und Bilder (DKP Berlin, jW)

Das Pressefest in Bildern (SDAJ auf Facebook)

Erfolgreiches Volksfest der DKP in Dortmund (redglobe)

Rede des DKP-Vorsitzenden Patrick Köbele zur Eröffnung des Pressefestes