Archiv für August 2014

#Ameos: Bericht zur Demo in Osnabrück

Des Wahnsinns fette Beute

Rund 300 Kolleginnen und Kollegen demonstrierten am 28. Juli vom Ameos Klinikum Osnabrück (früher Landeskrankenhaus) zum Theater, um zum wiederholten Male die Aufnahme von Tarifverhandlungen mit dem Ziel eines einheitlichen Tarifvertrages für alle Beschäftigten an den beiden Standorten Osnabrück und Hildesheim zu fordern.
Unterstützt wurden die Beschäftigten von Ameos Osnabrück dabei von ihren Kollegen aus Hildesheim, Kollegen aus Osnabrücker Krankenhäusern, bei VW beschäftigten IG Metallern und GEW-Mitgliedern.
Viel Beifall gab es aus Reihen der Demonstranten für die klare Ansage, dass es im Falle weiterer Verzögerungen bei der Aufnahme von Tarifverhandlungen zu Streiks im September diesen Jahres kommen werde.
Ameos hatte Ende 2013 den Tarifvertrag, der noch ein Erbe der Zeit vor der Privatisierung der Landeskrankenhäuser war, gekündigt und spielt seitdem auf Zeit. Als Grund für ihre Verweigerungshaltung gibt die Geschäftsführung von Ameos unter anderem an, dass es an einer „vertrauensvollen Gesprächsatmosphäre“ fehle. Hintergrund ist, dass ver.di-Vertreter wiederholt auf die negativen Folgen der 2007 erfolgten Privatisierung hingewiesen haben. Nach der Logik der Ameos-Geschäftsführung hat sich ver.di als „Tarifpartner“ diskreditiert, weil Probleme offen angesprochen werden. Bereits im April diesen Jahres hatte der NDR über Missstände im Ameos-Klinikum Hildesheim berichtet. Ehemalige Patienten und Beschäftigte schilderten demnach Hygienemängel, Überbelegung, überlastete Pflegekräfte sowie unnötige Fixierungen und machten die angespannte Personalsituation dafür verantwortlich.
„Die Arbeitsbedingungen sind schlechter geworden, der Tarifvertrag ist gekündigt, Personal ist reduziert worden, und stattdessen gibt es immer mehr Leiharbeiter, die schlechter vergütet werden als die Kernbeschäftigten“ zitiert die Neue Osnabrücker Zeitung den ver.di-Landesfachbereichsleiter Lüddecke. Von 840 Beschäftigten seien inzwischen 140 Leiharbeiter und 100 als studentische Hilfskräfte angestellt.
Frank Henning, Fraktionsvorsitzender der SPD im Osnabrücker Stadtrat, verwies auf den Gewinn von 7,5 Millionen Euro, den Ameos 2012 eingefahren habe und forderte eine Beteiligung der Beschäftigten an diesem Ergebnis.
Die Aussagen der Redner auf der Demonstration in Osnabrück erweckten insgesamt den Eindruck, als ob Ameos zu den besonders fiesen Kapitalisten gehöre. Aber gerade wegen der miesen Arbeitsbedingungen und dem wiederholten Versuch, die Belegschaft(en) zu spalten, gerade weil Ameos Druck auf die Beschäftigten ausübt, damit diese ihre Rechte nicht wahrnehmen: das Verhalten der Geschäftsführung unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen privaten, auch nicht den sich „christlich“ nennenden „Arbeitgebern“. Ameos ist profitorientiert, Ameos muss Geld verdienen und tut dies auch auf Kosten der Beschäftigten und Patienten.
Ein Tarifvertrag für alle Beschäftigten würde die Situation nicht nur der Beschäftigten, sondern auch der Patientinnen und Patienten verbessern; ein solcher Abschluss mit ver.di hätte aber vor allem eine Folge: er würde ins Geld gehen.
Das Besondere an Ameos ist nicht, dass dort versucht wird, Fachkräfte zu ersetzen oder sie unter Wert zu bezahlen. Das Besondere bei Ameos ist, dass sich die Kolleginnen und Kollegen dagegen wehren. Es gibt inzwischen eine koordinierte Gegenwehr der Beschäftigten bei Ameos Osnabrück und Hildesheim. Die Warnstreiks, Demonstrationen, Aktionen und die Bereitschaft, vermeintliche Niederlagen wie den zuletzt abgesagten Warnstreik in Osnabrück wegzustecken bzw. daraus zu lernen, zeugen von einer in der Auseinandersetzung gewachsenen Belegschaft, die den Worten (angekündigte Streikaktionen im September) auch Taten folgen lassen wird.
Die Geschäftsführung bei Ameos, die offenbar eine kleine Kreativwerkstatt für Kommunikation im Klassenkampf betreibt, produziert zwar ständig neue Sprechblasen, warum derzeit kein Tarifvertrag zu haben ist, hinterlässt in der Öffentlichkeit aber einen eher chaotischen Eindruck.
Fazit: bei Ameos wurde ein Gegengewicht geschaffen, welches in der lokalen Öffentlichkeit eine eigene Stimme hat. Das Vertrauen der Beschäftigten in die eigene Kraft wird nicht nur den nächsten Angriff der Geschäftsführung ins Leere laufen lassen, auch die Beseitigung des Kernproblems rückt langsam auf die Agenda. Profitinteresse hat im Gesundheitsbereich besonders fatale Folgen, die ehemaligen Landeskrankenhäuser gehören also wieder in die öffentliche Hand, diesmal unter starker Beteiligung von Beschäftigten und Patienten.

[Aus der aktuellen Ausgabe der UZ – Zeitung der DKP]

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