Archiv für Juli 2015

Soli-Party

31. Juli 2015, 20 Uhr
SubstAnZ (Frankenstraße 25a, Osnabrück)
Soliparty for No Lager Osnabrück
nolageros.blogsport.eu

Gruppentermin

19. August 2015, 19 Uhr
- Die Lagerhalle ist an diesem Tag geschlossen, neuen Ort bitte über
osnabrueck@dkp-niedersachsen.de anfragen –

Treffen der DKP OSnabrück
Themen: nächste Ausgabe der Betriebszeitung „Roter Käfer“, Vorbereitungen Anti-Kriegstag, Griechenland

# VW OS: Mitten drin und nicht dabei

Unter diesem Titel berichtete die metallzeitung in der Maiausgabe über den Missbrauch von Werkverträgen – nicht in Schlachthöfen im Oldenburger Münsterland, sondern in „Musterfabriken“ der deutschen Industrie, auch der großen Autokonzerne. Der Blick hinter die Werkstore zeigt: auch Volkswagen betreibt Lohndumping durch Werkverträge.

Ein Beispiel in der Reportage der metallzeitung: die „Entscheidung des Automobilherstellers BMW, einen Teil der Logistik auszugliedern und an eine Werkvertragsfirma… zu vergeben. Der Auftrag: Autoteile für den internationalen Versand in die Montagewerke im Ausland zu verpacken. Das hatten vorher überwiegend BMW-Beschäftigte zu IG Metall-Tarifen gemacht. Dann verpackten die Beschäftigten der BLG Wackersdorf für einen Bruchteil des Entgelts…“
Wie sieht es bei uns aus?

Hansmann: Logistik zum Hungerlohn

Die eine Kollegin arbeitet bei Volkswagen Osnabrück am Montageband. Sie musste jahrelang auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie 5 Prozent ihres Monatslohns verzichten – als „Arbeitnehmerbeitrag“ zum Aufbau des Standortes. Doch seit 1. Januar bekommt sie wieder den vollen Metalltarif Osnabrück-Emsland. Damit bringt sie in der Entgeltgruppe 4 H mit 20 Prozent Akkordzuschlag im Monat 3.427,20 Euro brutto nach Hause – wenig genug im Verhältnis zu den Dividenden der Großaktionäre. Bei einer 35-Stundenwoche ist das ein Stundenlohn von ca. 22,50 Euro.

Der Kollege, der ihr die Teile ans Band liefert, arbeitet auch bei Volkswagen – aber in seinem Vertrag und auf seiner Jacke steht „Hansmann“. Dieser kleinen Unterschied kommt ihn teuer zu stehen: er bekommt pro Stunde 9,80 Euro, also weniger als die Hälfte der Volkswagen-Kollegin. Das reicht auch bei 40 Stunden in der Woche nicht für seine Familie – also muss er sein Ein-kommen mit „Hartz vier“ aufstocken, um über die Runden zu kommen.
Sein anderer „Hansmann“-Kollege wiederum bekommt etwa das Gleiche, ist aber als Leiharbeiter bei der Firma „Altevogt“. Er hat also keinen festen Vertrag und könnte jederzeit „abgemeldet“ werden…

Missbrauch stoppen!

„Missbrauch“ von Werkverträgen beginnt laut IG Metall „dann, wenn Unternehmen Arbeit an Dienstleister vergeben, um auf dem Rücken der Beschäftigten Geld zu sparen…“ (metallzeitung 5/2015). Dies ist bei „Hansmann“ eindeutig der Fall, ebenso bei Voith und anderen Firmen, welche Volkswagen als „industrienahe Dienstleister“ nutzt.

Der Vergleich mit Amazon zeigt auch den einzigen Weg, die Verhältnisse bei „Hansmann“ und anderen „industrie-nahen Dienstleistern“ für die Arbeitenden zu verbessern. Ohne die Betroffenen kann weder der Betriebsrat von Volkswagen noch die IG Metall etwas verändern. Wenn diese Beschäftigten sich aber zusammentun und sich in der IG Metall organisieren, dann bilden sie eine Kraft und können auf Dauer ihre Lage verändern. Und für den Eintritt in die IG Metall müssten sie nicht einmal zum Gewerkschaftshaus gehen – jeder Betriebsrat oder Vertrauensmann von Volkswagen hilft ihnen da sicher gerne weiter…

Aus: „Roter Käfer“, Juni/Juli 2015, Betriebszeitung der DKP für VW & Valmet in Osnabrück

Vorbereitung Antikriegstag

20. Juli 2015, 19 Uhr
Haus der Jugend, Große Gildewart 6-9
Kleiner Sitzungssaal (1. Etage)
Vorbereitungstreffen Antikriegstag Osnabrück

# Post-Streik in Greven: Streikbrecher aus dem Container

Es ist „unser“ regionales Verteilzentrum, gelegen in Greven nahe Münster. Nicht nur lokale Medien, auch WDR, SZ u.a. haben über den hier stattfindenden Streikbrechereinsatz berichtet. Denn die slowakischen Kollegen wurden zur Unterbringung in Container gesteckt, vier Stockbetten pro Box, für die die Leiharbeiter auch noch 300 Euro Miete im Monat zahlen sollen, wie es heisst.

„Dicht an dicht stehen die Behausungen, in mehreren Reihen an unbefestigten Wegen auf dem Gelände eines Gartenbaubetriebes.“ (Süddeutsche Zeitung vom 25.6.15 )

Sonntagsarbeit, Einsatz von Beamten, Verteilen von Tankgutscheinen, Druck auf die Streikenden… die Post kennt keine Scham im Arbeitskampf. Die Kolleginnen und Kollegen von ver.di setzen ihre Solidarität untereinander dagegen und haben Unterstützung bekommen, z.B. durch die streikenden Erzieher/innen:

„Um 4.30 Uhr machte sich OSONSTRIKE am Samstagmorgen mit 60 TeilnehmerInnen der Bundesvertrauensleutekonferenz von ver.di auf den Weg über die Spree nach Ost-Berlin. Mit einem frischgestaltem Banner unter dem Arm ging es zu einem bestreikten Briefverteilungszentrum der Deutschen Post AG. Dort galt es die unbefristet streikenden KollegInnen zu unterstützen und Streikbrecher abzufangen!“ (osonstrike.com)

Wofür kämpfen die Kolleg/innen?

(Foto: Pewe/ r-mediabase.eu)
(Foto: Pewe/ r-mediabase.eu)

„Aktionär ist der Bund mit rund 21 Prozent Anteil, aber auch die Heuschrecke Black Rock. Damit aus drei Milliarden Gewinn bis 2020 mindestens fünf werden, will Postchef Appel 20 000 Beschäftigte in 49 Niederlassungen einer „DHL Delivery GmbH“ ausgliedern, wo sie 20 bis 30 Prozent weniger verdienen würden. Damit reagierte der gelbe Riese auch auf die Weigerung von ver.di, niedrigere Einstiegslöhne und längere Arbeitszeiten zu akzeptieren. Nach sechs erfolglosen Verhandlungsrunden und zahlreichen Warnstreiks seit April ruft nun ver.di täglich mehr Beschäftigte zu Streiks auf. Die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Lohn sowie eine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich um 2 ½ Stunden pro Woche. Das entspräche etwa dem Volumen der geplanten Ausgliederungen, deren Effekt somit zunichte gemacht würde.“
(aus: Unsere Zeit No. 25 /2015)

Jetzt wird wieder verhandelt – und gleichzeitig weiter gestreikt, weil diesem Arbeit“geber“ nicht zu trauen ist und der Druck aufrecht erhalten werden muss.

lmö, DKP Osnabrück

Update:

    Stellvertretende ver.di-Vorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis:
    Wir sind mit dem Abschluss sehr zufrieden.
    Einigung bei der Deutschen Post auf verdi.de

    Jana Frielinghaus, jW-Autorin:
    Einknicken schöngeredet
    in der Tageszeitung „junge Welt

    Werner Siebler, Vorsitzender der ver.di-Betriebsgruppe Brief Freiburg zum „Arbeitgeber“ Deutsche Post:
    Der Bund hält immerhin noch 21 Prozent der Aktien. Aber der überwiegende Teil – 67 Prozent – liegt in den Händen von internationalen Anlegern. Eine wichtige Rolle spielen wohl Investmentkonzerne wie Black Rock; und ich teile Werner Rügemers These aus der „Hintergrund“-Ausgabe vom 1. April 2015, dass die Post – bei der ja immerhin noch über 70 Prozent der Beschäftigten in ver.di organisiert sind – ganz bewusst versucht, die Lohnkosten nach unten zu drücken.
    Auch BDA-Chef Kramer stellte sich wenige Tage vor den Verhandlungen am 3. Juli hinter Post-Chef Appel und forderte, die Post müsse stur bleiben bei den ver.di-Forderungen. Und obwohl die Streikfolgen in Form von liegengebliebenen Paketen und Briefen unübersehbar waren, schien es so, als wolle die Post keinesfalls einlenken. Der öffentliche Druck und die große Solidarität mit den Postlern hat dann wohl zu einem Umdenken geführt.
    Von einem Einfluss der Bundesregierung zugunsten der Beschäftigten war nicht viel zu spüren. Es gab zwar zwei Debatten im Bundestag, die von der „Linken“ beantragt wurden und dort gab es auch aus der SPD-Fraktion Reden zugunsten der Postbeschäftigten, diese blieben aber hinter den klaren Aussagen von „Linken“ und Grünen zurück. Allerdings hat dann die CDU klar Position bezogen für die Strategie des Posttowers.
    Immerhin hat Nahles jetzt einen Gesetzentwurf zum Einsatz von Leiharbeitnehmern auf bestreikten Arbeitsplätzen angekündigt. Da bin ich mal gespannt, ob daraus was wird bis zum nächsten Poststreik.

    aus: Unsere Zeit, Zeitung der DKP No. 28 (Ausgabe vom 10.7.15)