# Post-Streik in Greven: Streikbrecher aus dem Container

Es ist „unser“ regionales Verteilzentrum, gelegen in Greven nahe Münster. Nicht nur lokale Medien, auch WDR, SZ u.a. haben über den hier stattfindenden Streikbrechereinsatz berichtet. Denn die slowakischen Kollegen wurden zur Unterbringung in Container gesteckt, vier Stockbetten pro Box, für die die Leiharbeiter auch noch 300 Euro Miete im Monat zahlen sollen, wie es heisst.

„Dicht an dicht stehen die Behausungen, in mehreren Reihen an unbefestigten Wegen auf dem Gelände eines Gartenbaubetriebes.“ (Süddeutsche Zeitung vom 25.6.15 )

Sonntagsarbeit, Einsatz von Beamten, Verteilen von Tankgutscheinen, Druck auf die Streikenden… die Post kennt keine Scham im Arbeitskampf. Die Kolleginnen und Kollegen von ver.di setzen ihre Solidarität untereinander dagegen und haben Unterstützung bekommen, z.B. durch die streikenden Erzieher/innen:

„Um 4.30 Uhr machte sich OSONSTRIKE am Samstagmorgen mit 60 TeilnehmerInnen der Bundesvertrauensleutekonferenz von ver.di auf den Weg über die Spree nach Ost-Berlin. Mit einem frischgestaltem Banner unter dem Arm ging es zu einem bestreikten Briefverteilungszentrum der Deutschen Post AG. Dort galt es die unbefristet streikenden KollegInnen zu unterstützen und Streikbrecher abzufangen!“ (osonstrike.com)

Wofür kämpfen die Kolleg/innen?

(Foto: Pewe/ r-mediabase.eu)
(Foto: Pewe/ r-mediabase.eu)

„Aktionär ist der Bund mit rund 21 Prozent Anteil, aber auch die Heuschrecke Black Rock. Damit aus drei Milliarden Gewinn bis 2020 mindestens fünf werden, will Postchef Appel 20 000 Beschäftigte in 49 Niederlassungen einer „DHL Delivery GmbH“ ausgliedern, wo sie 20 bis 30 Prozent weniger verdienen würden. Damit reagierte der gelbe Riese auch auf die Weigerung von ver.di, niedrigere Einstiegslöhne und längere Arbeitszeiten zu akzeptieren. Nach sechs erfolglosen Verhandlungsrunden und zahlreichen Warnstreiks seit April ruft nun ver.di täglich mehr Beschäftigte zu Streiks auf. Die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Lohn sowie eine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich um 2 ½ Stunden pro Woche. Das entspräche etwa dem Volumen der geplanten Ausgliederungen, deren Effekt somit zunichte gemacht würde.“
(aus: Unsere Zeit No. 25 /2015)

Jetzt wird wieder verhandelt – und gleichzeitig weiter gestreikt, weil diesem Arbeit“geber“ nicht zu trauen ist und der Druck aufrecht erhalten werden muss.

lmö, DKP Osnabrück

Update:

    Stellvertretende ver.di-Vorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis:
    Wir sind mit dem Abschluss sehr zufrieden.
    Einigung bei der Deutschen Post auf verdi.de

    Jana Frielinghaus, jW-Autorin:
    Einknicken schöngeredet
    in der Tageszeitung „junge Welt

    Werner Siebler, Vorsitzender der ver.di-Betriebsgruppe Brief Freiburg zum „Arbeitgeber“ Deutsche Post:
    Der Bund hält immerhin noch 21 Prozent der Aktien. Aber der überwiegende Teil – 67 Prozent – liegt in den Händen von internationalen Anlegern. Eine wichtige Rolle spielen wohl Investmentkonzerne wie Black Rock; und ich teile Werner Rügemers These aus der „Hintergrund“-Ausgabe vom 1. April 2015, dass die Post – bei der ja immerhin noch über 70 Prozent der Beschäftigten in ver.di organisiert sind – ganz bewusst versucht, die Lohnkosten nach unten zu drücken.
    Auch BDA-Chef Kramer stellte sich wenige Tage vor den Verhandlungen am 3. Juli hinter Post-Chef Appel und forderte, die Post müsse stur bleiben bei den ver.di-Forderungen. Und obwohl die Streikfolgen in Form von liegengebliebenen Paketen und Briefen unübersehbar waren, schien es so, als wolle die Post keinesfalls einlenken. Der öffentliche Druck und die große Solidarität mit den Postlern hat dann wohl zu einem Umdenken geführt.
    Von einem Einfluss der Bundesregierung zugunsten der Beschäftigten war nicht viel zu spüren. Es gab zwar zwei Debatten im Bundestag, die von der „Linken“ beantragt wurden und dort gab es auch aus der SPD-Fraktion Reden zugunsten der Postbeschäftigten, diese blieben aber hinter den klaren Aussagen von „Linken“ und Grünen zurück. Allerdings hat dann die CDU klar Position bezogen für die Strategie des Posttowers.
    Immerhin hat Nahles jetzt einen Gesetzentwurf zum Einsatz von Leiharbeitnehmern auf bestreikten Arbeitsplätzen angekündigt. Da bin ich mal gespannt, ob daraus was wird bis zum nächsten Poststreik.

    aus: Unsere Zeit, Zeitung der DKP No. 28 (Ausgabe vom 10.7.15)