Auswertung Metalltarifrunde

Werner Sarbok im Gespräch mit Achim Bigus
Der in Nordrhein-Westfalen vereinbarte Pilotabschluss für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie wurde auch im Tarifgebiet Osnabrück-Emsland übernommen: 2,8 Prozent ab 1. Juli und weitere zwei Prozent ab April 2017. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 21 Monaten bis Ende 2017.

UZ: Vor welchem Hintergrund erfolgte der Abschluss?

Achim Bigus: Es gibt extreme Unterschiede zwischen den einzelnen Betrieben bei der wirtschaftlichen Lage und der gewerkschaftlichen Kampfkraft. Das wurde selbst in unserem kleinen Tarifgebiet Osnabrück-Emsland sichtbar, schon bei der Aufstellung der Forderungen. Einige Betriebe haben eine sehr gute Auftragslage und machen hohe Gewinne, manche haben eine geringe Ertragslage trotz hoher Auslastung, andere Belegschaften erleben gerade Massenentlassungen oder Teilschließungen. Auch der gewerkschaftliche Organisationsgrad und die Kampf­erfahrungen sind sehr unterschiedlich. Die Spanne der betrieblichen Forderungen reichte von 3,5 bis 7 Prozent, insofern war die Gesamtforderung von fünf Prozent für uns völlig in Ordnung, obwohl wir bei VW Osnabrück eine höhere Forderung diskutiert hatten.
Auch aus NRW und anderen Regionen wurde eine ähnlich differenzierte Situation berichtet. Die Gesamtmetall-Forderung nach mehr Differenzierung traf also eine Schwachstelle der IG Metall. Gut ist, dass diese jetzt nicht mit den Betriebsräten auszuhandeln ist, sondern der Zustimmung der Tarifparteien bedarf. Wir werden vor der nächsten Runde Bilanz ziehen müssen, inwieweit die Kapitalseite mit dieser Regelung die Verbindlichkeit des Flächentarifvertrages weiter aufweichen konnte.
Zum Hintergrund gehört auch der ausgesprochene Konfrontationskurs der Unternehmer in dieser Tarifbewegung. Vor allem mit dem letzten Abschluss hatte die IG Metall nicht nur eine Reallohnsteigerung erreicht, sondern auch den jahrelangen Niedergang der Lohnquote aufgehalten und begonnen, dieser Umverteilung von unten nach oben wieder entgegenzuwirken. Diese Tendenz wollte die Gegenseite unbedingt stoppen. Das dürfte ihr mit diesem Abschluss auch gelungen sein und wird von ihr entsprechend bejubelt.
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Auszug aus: Unsere Zeit – Zeitung der DKP